Berühmte Dänen – und wie sie zählen

Watt denn watt denn? Berühmte Dänen, gibt’s so etwas überhaupt, wenn man “Königin Margarete II.”, ihre Familie, Polarforscher “Knud Rasmussen”, den Märchenerzähler “Hans Christian Andersen” und den Philosophen “Søren Kierkegaard” mal ausklammert? Schaun’n wir mal!

Ich frug nach Watt: Die Spannung “Volt” mal Stromstärke “Ampere” = Leistung in “Watt” – so haben wir das im Physikunterricht gelernt. Aber was bitte schön ist ein “Oersted”? Der Begriff ist meist nur Physikern und Ingenieuren der Elektrotechnik bekannt. “Ricula” haben die Schweizer erfunden, das wissen wir durch die Werbung. Und “Oersted” ist die Maßeinheit der magnetischen Feldstärke – und wer hat’s entdeckt? Ein Däne! “Hans Cristian Ørsted”, geboren 1777 auf Langeland war‘s. Zuletzt Professor für Physik und bis zu seinem Tode Leiter des Polytechnischen Instituts in Kopenhagen.

Was hat die “Beringsee” mit Dänemark zu tun? Ja, zunächst geographisch mal gar nichts, sie liegt zwischen Asien und Nordamerika… mit Ausnahme ihres Namens: Den hat die Meerespassage “Vitus Bering” (1681-1741), aus der dänischen Kleinstadt Horsens stammend, einem dänischen Marineoffizier und Entdecker, zu verdanken. Er bewies mit seinem Entdeckerdrang, dass Asien und Nordamerika nicht miteinander verbunden sind.

Wie schnell ist die Lichtgeschwindigkeit? Naja, knapp 300.000 km in der Sekunde… und irgendwie haben wir im Hinterkopf, das müsse etwas mit “Albert Einstein” zu tun haben, der in seiner Energie-Formel „E=mc²“ die Lichtgeschwindigkeit „c“ verwurstet hat. Doch weit gefehlt! Wieder war’s eine Däne, nämlich “Ole Rømer” (1644-1710). Er stellte fest, dass der Zeitunterschied zwischen zwei aufeinanderfolgenden Verdunkelungen des Jupitermondes „Io“ größer ist, wenn sich die Erde auf ihrer Bahn dem Jupiter nähert, als wenn sie sich von ihm entfernt. Daraus errechnete er, dass das Licht zum Durchqueren des Erdbahndurchmessers etwa 22 Minuten braucht, Licht also eine endliche Geschwindigkeit hat… er lag nur ganz knapp daneben, der korrekte Wert ist knapp 17 Minuten für die Lichtstrecke. Als Rømer korrekt voraussagte, die Verfinsterung des Io-Mondes werde am 9. November 1676 um zehn Minuten „zu spät“ wahrnehmbar sein, stellte er im selben Jahr seine Erklärung der “Akademie der Wissenschaften” in Paris vor und veröffentlichte sie in einer Fachzeitschrift.

Rømer kam mit seiner Berechnung der Lichtgeschwindigkeit (er errechnete 213.000 km/sec) der Wahrheit (299.792 km/sec) sehr nahe. Erst moderne Lasermessungen konnten Rømers Berechnungen präzisieren.

Wir wissen heute, ein Atomkern besteht aus geladenen und ungeladenen Teilchen im Inneren und negativ geladenen Teilchen, die den Kern umschwirren, in einer äußeren Hülle. Und wer hat‘s entdeckt? Etwa das Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz? Mitnichten! Ein Däne war’s: “Niels Bohr” (1885-1962). Er dürfte wohl der prominenteste dänische Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts sein. Er hat die Voraussetzungen zur Nutzung der Kernenergie geschaffen.

Zusammen mit Werner Heisenberg entwickelte er die „Kopenhagener Deutung“ der Quantentheorie. Bohrs Forschungen revolutionierten das physikalische Weltbild und das brachte ihm 1922 auch den Nobelpreis ein.

Viele Touristen waren schon auf dem „Rundetårn”, dem „Runden Turm“ in der lebhaften Fußgängerzone Købmagergade, in Kopenhagen. Er ist angebaut an eine Kirche, durch ein Fenster aus dem Turm kann man sogar in das Innere der Kirche blicken. So manch einer mag sich gewundert haben, warum eine normale Kirche einen so fetten Turm bei sich hat. Er bietet einen atemberaubenden Blick über die Stadt, bis zur “Øresundbrücke” und hinüber nach Schweden und Malmö.

Die Erklärung für den fetten Turm ist, dass der „Rundetårn“ gar nicht als Kirchturm erbaut wurde. Den hat der Astronom und Mathematiker “Christen Sørensen Longomontanus” (1562-1647) nämlich als Observatorium im Auftrag “Christians IV.”, König von Dänemark und Norwegen, errichtet, heute eines der bemerkenswertesten Gebäude in der dänischen Metropole. – Nur am Rande sei erwähnt, dass Longomontanus Schüler des berühmten Astronomen des dänischen Hofes, “Tycho Brahe” (1546-1601) war. Seinen Namen tragen wiederum ein Krater auf dem Mond und auf dem Mars zu seinen Ehren. Die Funktion als Observatorium erklärt auch, warum man den Turm nicht auf Treppen, sondern über eine 205m lange, sehr breite Kreisrampe besteigt: So konnte nämlich schweres Gerät für die Sternguckerei einfacher nach oben transportiert werden.

Als Zar “Peter der Große” 1716 Kopenhagen besuchte, soll er auf seinem Pferd die Kreisrampe hinauf geritten sein, gefolgt von Katherina in einer von sechs Pferden gezogenen Kutsche. Das dürfte die Ausmaße der Kreisrampe verdeutlichen. Ab 1656 war der Turm dann doch Glockenturm für die “Trinitatis-Kirche”.

Ich könnte jetzt noch einige Seiten über bekannte dänische Persönlichkeiten schreiben, aber das führt zu weit. So viele berühmte kluge Leute aus einem kleinen Land, welches damals nur etwa 2 bis 3 Millionen Einwohner hatte, lässt die Frage aufkommen, woher die Gescheitheit des kleinen Völkchens, das seine Einwohner seit Jahrzehnten als die glücklichsten der Welt weiß, kommt (und wer sein Volk im Glück halten kann ist besonders klug!).

Ich weiß das auch nicht wirklich, aber ein bisschen erkläre ich mir das mit der sehr eigentümlichen Art, wie Dänen zählen. Ja wirklich! Wer das dänische Zählsystem beherrscht muss klug sein und da es alle Dänen beherrschen… Ergo? Genau!

Das dänische Zählsystem klingt für deutsche Ohren etwas „verrückt“. Man nennt es “Vigesimalsystem”. Das gibt es in einigen Sprachen, z.B. auch im Französischen, im Baskischen und in einigen keltischen Sprachen. Aber in keiner Sprache wurde es so auf die Spitze getrieben wie in Dänemark: Nur ein paar Beispiele (man wird fast verrückt dabei):

Die Zahl fünfzig ist in Deutschland eben 50. Basta! Im Dänischen aber heißt das „Halvtreds“, und das heißt auf Deutsch übersetzt etwa „Halb-drei x 20. Würde man die 50 auf dänische Weise als gesprochenen Term im Deutschen sagen wollen, dann müsste man sagen 2 ½ mal 20.

Oder nehmen wir die 99. Auf Dänisch heißt das „Nioghalvfems“ übersetzt etwa „neun und halb-fünf mal zwanzig“ oder als gesprochenen Term im Deutschen 9+4 ½ mal 20 (Achtung, Punkt- vor Strichrechnung!). Und nun stelle man sich vor, wir würden das Vigesimalsystem auch im Deutschen anwenden, z.B. beim Einkauf. Wir kaufen dann eben nicht 60 Eier sondern 3×20 Eier, 4 ½ x20 (= 90) Gramm Wurst… und das von Kindesbeinen an… welches Kind hätte dann noch Probleme mit dem Einmaleins, wenn es doch zum Alltag gehört? Und wir wissen ja, wer das Einmaleins als Hänschen beherrscht, packt irgendwann als Hans auch locker das Abitur.

Kurt O Wörl

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