Silkeborg und Århus

Stand: 11.09.2014

silkeb_aarhusIm Beitrag “Jütlands Osten – Mitteljütland und Djursland” endete unsere Erkundung in “Randers”. Wir setzen unsere Reise nun auf “Mitteljütland” nach Süden fort. Die Karte zeigt die nachfolgend beschriebenen Ziele in diesem Abschnitt an (zum Vergrößern Grafik anklicken).

Wir folgen dabei grob dem längsten Fluss Dänemarks, der “Gudenå” in südwestlicher Richtung und gelangen in eine der eigenartigsten Städte auf Jütland, nämlich

Silkeborg

GPS: 56° 10′ 11.98″ N, 9° 33′ 14.76″ E

Wer in “Silkeborg” eine heimelige, mit Fachwerk überfrachtete Altstadt sucht, sucht vergebens, denn die Geschichte der Stadt ist noch kürzer als jene des schwäbischen “Karlsruhe”. Silkeborgs Stadtgeschichte beginnt erst in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, mit dem Bau einer Papierfabrik. Zwar gab es im Mittelalter in der Nähe ein königliches Schloss, aber davon sind nur noch einige Fundamentreste übrig. Mehr war da vorher nicht. Das waldreiche Gebiet rund um die “Dänische Seenplatte” war demnach lange das letzte unerschlossene Gebiet Jütlands.

2009-08-24_125120_DSC_4623König Christian VIII.” war es, der es um 1840 für sinnvoll hielt, als eine seiner ersten Maßnahmen als neuer Regent am “Silkeborg Langsø” eine Stadt entstehen zu lassen. Den Anfang machte der Unternehmer “Michael Drewsen”, für dessen wasserhungrige Papierfabrik der von der “Gudenå” durchflossene “Silkeborg Langsø” ein idealer Standort war. Davon dürfte der Monarch aber nur die Anfänge miterlebt haben, den bereits 1848 segnete er das Zeitliche.

Der Papierfabrik, heute noch größter Arbeitgeber der Region, folgten die Arbeiter und die mussten irgendwo wohnen. Eine neue Stadt entstand, heute mit über 40.000 Einwohnern.

2009-08-24_123150_DSC_4607Will heißen: Altstadtatmosphäre hat Silkeborg nicht zu bieten. Funktionell, überwiegend modern präsentiert sich die Stadt. Aber die Stadt hat den “Langsø” zu bieten, viel Wald und sehr viel Grün, beste, sauerstoffschwangere Luft – und das lockte die 2009-08-24_140808_DSC_4666“Schönen und Reichen” Dänemarks an, entlang des Sees ihre prächtigen Villen und Bungalows zu errichten. Wer also nach Silkeborg will, der will an den Langsø und deshalb habe ich die Koordinaten für die Anfahrt oben auch auf einen geeigneten Parkplatz 2009-08-24_150528_DSC_4735am Bootshafen gelegt. Selbiger strahlt durchaus eine gewisse Bohème aus. Hier befindet sich das Touristenbüro und hier fällt uns als erstes der alte Flussraddampfer “Hjejlen” auf. Man kann mit ihm Ausflugsfahrten zum “Himmelbjerget” und nach “Ry” unternehmen. Für Kanu-Freunde wurde sogar ein kleiner 2009-08-24_133448_DSC_4643Wildwasserkanal angelegt.

Weitere Ausflugsboote, welche ggü. des Raddampfers, am Touristenbüro, anlegen, zeigen dem staunenden Besucher, dass man auch in einem Land, das ein hohes soziales Niveau bei dem 2009-08-24_144337_DSC_4717entsprechend hohen Steuern trotzdem richtig, richtig reich werden kann. Vielleicht nicht so unanständig reich wie das in Deutschland, mit seinem viel zu niedrigen Löhnen und viel zu niedrigem Spitzensteuersatz möglich ist und das sich seiner daraus gleichzeitig resultierenden,  extremen Kinderarmut 2009-08-24_143514_DSC_4704im doppelten Sinne nicht einmal zu schämen scheint. Aber dafür kann in Dänemark auch niemand wirklich arm werden.

Die Ausflugsboote bieten jedenfalls die Möglichkeit, die Residenzen der Wohlhabenden, meist mit eigener Bootsanlegestelle, von der Wasserseite her ausgiebig zu bestaunen.

2009-08-24_130544_DSC_4625ctDas “Silkeborg Museum” im ältesten Gebäude der Stadt, dem alten Herrenhaus “Hovedgården”, wartet u.a. mit einer echten Moorleiche auf.
Adresse: Hovegårdsvej 7, DK-8600 Silkeborg
GPS: 56° 10′ 9.22″ N, 9° 33′ 11.63″ E

Sehenswert auch das moderne, erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts komplett neu errichtete “Silkeborg Kunstmuseum” (Museum Jorn), in welchem Gemälde auch berühmter Künstler zu betrachten sind, darunter Werke von “Goya”, “Miró”, “Kandinsky”, “Picasso”. Insgesamt über 5000 Kunstwerke soll das Museum besitzen.
Adresse: Gudenåvej 7-9, DK-8600 Silkeborg
GPS: 56° 9′ 38.28″ N, 9° 33′ 30.50″ E

Im Gesamten ist Silkeborg eine wirklich moderne Stadt, funktional, luftig und freundlich, man fühlt sich, auch ohne die fehlende, historische Altstadt, dort ausgesprochen wohl.

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Auf dem Wege angucken:

Unser logischer Weg führt uns jetzt eigentlich nach Osten, in die Metropole Jütlands, aber wir nehmen einen kleinen Umweg. Wir überqueren in Silkeborg den Langsø, folgen der Primärstraße 52 nach Süden und biegen kurz nach “Virklund” links in den “Paradisvejen”, Richtung Osten, ab. Wir durchfahren herrliche Wälder entlang des Langsø bis wir nach rund 8 Kilometern auf die Sekundärstraße 445 stoßen. Hier biegen wir wieder links ab, folgen dieser bis wir an die links abzweigende Sekundärstraße 461 gelangen. Wir folgen dem Wegweiser “Himmelberget” und gelangen nach 3 Kilometer an das Hotel gleichen Namens, mit Cafeteria und großem Parkplatz und für Touristen Kiosken.

Digital StillCameraHier stellen wir unser Fahrzeug ab und gehen ein paar Hundert Meter zu Fuß durch einen parkähnlichen Wald zum rund 25 Meter hohen Aussichtsturm in Ziegelbauweise, auf dem 147 Meter hohen “Himmelbjerget”. Der Aufstieg auf den “Himmelbjergstårn” lohnt sich wirklich. Wir werden belohnt mit einem atemberaubenden Blick über die Landschaft und auf den “Julsø”.
(Fotoquelle: WikiMedia Commons)
Adresse: Vejlsøvej 12, DK-8600 Silkeborg
GPS: 56° 6′ 18.80″ N, 9° 41′ 6.79″ E

  • Homepage “Himmelbjerget”

Hinweis: Der Turm wurde 1875 zum Andenken an den Vater der dänischen Verfassung, “König Frederik VII.”, errichtet, der Dänemark am 5. Juni 1849 eine demokratische Staatsordnung gab. Die Auswahl des Standortes war wohl gewählt. Hier, auf dem Himmelbjerget, fanden vorher nämlich bereits entsprechende Volksversammlungen zum Thema Verfassung statt.

Weiter geht es ostwärts, entweder über die Primärstraße 15 oder über die beinahe parallel verlaufende Sekundärstraße 195, nach

Århus

GPS: 56° 9′ 23.41″ N, 10° 12′ 36.13″ E

2007-08-31_160544_100_4869ctDie Metropole Jütlands, mit über 250.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Dänemarks, “Århus”, gibt uns reichlich Gelegenheit, unsere Reiseneugierde zu befriedigen.

Und sie hat einiges zu bieten: Eine eigene Universität, einen eigenen Seehafen, Strände entlang der Århus-Bucht, vor der Stadt einen See, einen Botanischen Garten, einen Dom, ein wunderbares, sehr empfehlenswertes Freilandmuseum.

2007-08-31_163230_100_4888ctEnde des achten Jahrhunderts gegründet, ist Århus eine der ältesten Städte Europas. Die früheste Schreibweise des Ortes war “Aros”. Hier im Bild sehen wir den “Åboulevard”, also die Flusspromenade entlang des “Århus Å”, in gewisser Weise das Herz der Stadt. Es macht Spaß an Geschäften und Straßencafés entlang zu flanieren, bis hinunter zum “Europahaus” am Hafen.

768px-Aarhus_domkirke_towerctWeithin sichtbar und gewiss dominierend im Stadtbild: der “Dom zu Århus”, (dänisch: Århus Domkirke) oder auch “St.-Clemens-Dom”, ein von Ende des 12. bis Ende des 13. Jahrhunderts errichteter romanischer Backsteinbau. Die Dominanz kommt nicht von ungefähr: Das Gebäude ist 93 Meter lang und genau so hoch ist auch der Turm und damit das längste und höchste Kirchengebäude Dänemarks. Sehenswert im Inneren der Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert von “Bernt Notke”.
(Foto: WikiMedia Commons) – GPS: 56° 9′ 24.76″ N, 10° 12′ 39.15″ E

Gleich neben dem Dom gelegen und unbedingt sehenswert, das “Kvindemuseet” (Frauenmuseum). Erst 1982 gegründet enthält es eine einzigartige Sammlung  zur Rolle der Frauen in der dänischen Kulturgeschichte. – Das Gesehene reichlich besprechen kann man dann im “Museumscafé”, welches im Erdgeschoß des Hauses einlädt. Eine eigene Homepage hat das Museum auch: www.kvindemuseet.dk
Adresse: Domkirkepladsen 5, DK-8000 Århus
GPS: 56° 9′ 25.95″ N, 10° 12′ 41.17″ E

Den Gamle By
Adresse: Viborgvej 2, DK-8000 Århus
GPS: 56° 9′ 34.05″ N, 10° 11′ 23.80″ E

Århus - Den Gamle ByDas Highlight der Stadt ist zweifelsohne das herrliche Freilichtmuseum “Den Gamle By”. Das besondere daran: Anders, als bei den meisten anderen mir bekannten Freilichtmuseen, etwa wie in “Hjerl Hede”, am Limfjord, wurden hier nicht nur alte, erhaltenswerte Bauernhöfe und Århus - Den Gamle ByEinfamilienhäuser, Mühlen (die allerdings auch) und dergleichen museal aufgebaut, sondern vor allem Gebäude aus der städtischen Geschichte und Kultur, also alte Stadthäuser, Fachwerkhäuser meist. Die Häuser wurden aus ganz Dänemark hierher versetzt.

Århus - Den Gamle By“Den Gamle By” ist eine alte Stadt in der Stadt, sehr authentisch angelegt, die Straße mit Kopfsteinen gepflastert, ein schöner Kräutergarten angelegt, ein Marktplatz wurde kreiert und sogar ein altes Theater wurde 1961 hier wieder aufgebaut, das “Helsigør Theater” – darin finden auch 2007-08-31_141552_100_4813tatsächlich Theater-Aufführungen statt und es wird für Seminare und Vorträge genutzt.

Bereits 1914 eröffnet, erfreut sich das Museum, mit heute rund 80 wiedererrichteten Häusern (und es werden immer mehr), sehr regen Besuches von Touristen. Viele fahren überhaupt nur deswegen hierher.

Århus - Den Gamle ByDaneben kann man alte Handwerksbetriebe besichtigen, Trachten und alte Porzellankunst. Kurzum, ich persönlich kenne kein schöneres Freilichtmuseum. Wer nicht in “Den Gamle By” war, war nicht in Århus. Manchmal kann man sogar Dänen in traditioneller Tracht durch die Straßen “Den Gamle Bys” flanieren sehen.

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Nach so viel Augenschmaus möchten unsere Augen vielleicht etwas beruhigt werden und die Seele wieder ein bisschen baumeln. Dazu haben wir Gelegenheit im gleich nördlich, neben “Den Gamle By”, gelegenen

Botanischer Garten
Adresse: Møllevej 10, DK-8000 Århus
GPS: 56° 9′ 35.82″ N, 10° 11′ 23.57″ E

2007-08-31_144013_100_4859Gegründet 1875 umfasst der “Botanische Garten Århus’” heute eine Fläche von über 20 ha. Ruhe und Hygge bietet uns das wunderbare Ambiente. Gewächshäuser bieten uns Gelegenheit, auch exotische Pflanzen kennen zu lernen. Insgesamt, vor allem nach dem Besuch des Freilichtmuseums sehr empfehlenswert.

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Damit verlassen wir vorerst diesen Bereich. Der Abschnitt zwischen  Århus Richtung Süden bis herunter, nördlich von “Åbenrå”, muss einstweilen zurückgestellt werden, da ich diesen Bereich erstaunlicher Weise bislang nur auf der Autobahn durchfahrend bislang bereist habe.

Im nächsten Abschnitt schließen wir dann Jütland mit dem südöstlichen Bereich rund um “Åbenrå”, unter Einschluss der Halbinsel “Als” (deutsch “Alsen”), vorläufig ab.

Kurt O. Wörl

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