Oh diese Dänen

„We are red, we are white, we are danish dynamit!“…

DSC_D60_5702…das rufen die Dänen gerne, wenn ihre Fußball-Nationalmannschaft sich mit dem Rest der Welt misst. Es gab mal eine Europa-Meisterschaft – noch nicht lange her – da war Dänemark eigentlich in den Qualifikationsspielen schon ausgeschieden – was sich im Land des Dannebrogs so recht niemand erklären konnte. Recht hatten sie, die Dänen, denn wegen politischer Wirrnisse wurden sie kurzfristig wieder in den Wettbewerb aufgenommen – und wurden Europameister… na also geht doch.

Ja, sie sind stolz, die Dänen, auf sich, auf ihr Land und alles, was den Dannebrog trägt… und es gibt in Dänemark praktisch nichts, was ihn nicht tragen würde: Er ist auf Bonbondosen, an Weihnachtsbäumen, gehisst im Schrebergarten und vor dem Sommerhaus, an alten Autos usw. – und vor allem bei Fußballspielen zwischen Dänemark und Schweden ist er nicht wegzudenken. – Oder: Ein  Heißluft-Händetrockner in öffentlichen Toiletten (von denen es in den Städten an jeder Ecke welche – meist blitzsauber – gibt, ist nicht einfach ein Händetrockner von Siemens oder Samsung, selbstverständlich hängt dort ein “Dandryer”.

Dabei wirkt dieser Stolz auf die eigene Nation in keiner Weise abstoßend, weil er – anders als anderswo – nicht gepaart mit  Verachtung für andere Nationen verbunden ist. Im Gegenteil,  die Dänen bemitleiden all jene, welchen “Thor” nicht das Glück beschieden hat Däne sein zu dürfen.

Es macht sich bei Dänen gut, wenn Deutsche ohne Aufforderung fragen, worin die nationale Würde der Dänen am deutlichsten in Erscheinung tritt. Die Antwort könnte überraschend ausfallen: Stolz und Mitgefühl sind in Dänemark nationale Imperative und das heißt: Die dänische Butter ist die weltbeste, das Vollkornbrot ist dänisch, auch wenn es die Tysks (Deutschen) erfunden haben  – und wenn es Menschen schlecht geht, muss ihnen geholfen werden.

Manchem mag es vielleicht schon aufgefallen sein: In Dänemark findet man viele Kleinwagen auf den Straßen und noch viel mehr sehr alte, aber liebevoll gepflegte Autos. Das hat seinen Grund: Das teuerste Metall in Dänemark ist nicht etwa Gold oder Platin, sondern das Blech für Kfz.-Kennzeichen. Sie haben richtig gelesen!

Um einen Privat-PKW in Dänemark zuzulassen, muss man tief in die Tasche langen. Je nach Größe und Alter des PKW sind bei der Zulassung zwischen 120 und 180 Prozent des aktuellen Wertes des Fahrzeugs als Luxussteuer fällig. Das gilt übrigens auch für mitgebrachte Fahrzeuge von Einwanderern. Stellen Sie sich vor, sie kaufen sich in Dänemark einen PKW für 10.000 EUR. Dann sparen Sie mal lieber noch zusätzliche 18.000 EUR für die Steuer.

Und weil das so ist, schämt sich ein Däne seines alten Autos nicht. Ganz im Gegenteil, er liebt es. Und damit das auch jeder sieht, malt er es schon mal kunterbunt an, hängt Gardinen an die Fenster und selbst ein paar Blumentöpfe können darin malerisch platziert sein. Man findet an den Fahrzeugen Aufkleber wie “Nur Verrückte haben es eilig” (oh ja, sie fahren gemütlich, sehr gemütlich, am liebsten vor entnervten, deutschen Urlaubern her, welche in Dänemark bereits als aufgeregte Südländer gelten). Wer so ein buntes Auto sieht, kann sicher sein: Es ist ein Däne… es sei denn, er hat einen roten Schnurrbart, dann ist es evtl. ein Brite. Briten genießen in Dänemark, anders als Deutsche, Narrenfreiheit.

Schier verrückt wird so mancher Deutsche (oder Deutschin … so etwas ist aber nur in Deutschland wichtig), der gerne seine Steuerlast “kreativ optimiert”, wenn er mit einem Dänen über die vermeintlich hohen Steuern in Dänemark ins Gespräch kommt (solche zu hinterziehen übrigens äußerst undänisch wäre). Die Luxussteuer für PKW habe ich bereits erwähnt. Und die 25% Mehrwertsteuer auf Handelsware sind ebenfalls happig – für Deutsche, wohlgemerkt, nicht für Dänen. Die Antwort wird wohl so oder so ähnlich ausfallen: “Na und? Ist unser kleines Land nicht herrlich und “hyggeligt” (was in etwa “gemütlich” heißt, aber nur in etwa… hyggeligt ist weit mehr)? Dafür zahlt man doch gerne Steuern!”

Bedenken muss man dabei allerdings, dass aus der Mehrwertsteuer nahezu das gesamte Sozialsystem Dänemarks finanziert wird. Das hat mehrere Vorteile: Es beteiligen sich ALLE am Sozialsystem, auch die Reichsten des Landes (während sich diese in Deutschland bei überschreiten der Beitragsbemessungsgrenze aus dem Sozialsystem völlig verabschieden können). Dies senkt für die Unternehmen zudem enorm die Lohnnebenkosten.

Das Hire-and-Fire-Prinzip ist in Dänemark sehr viel ausgeprägter als in Deutschland. Sorgenvolle Gesichter sieht man dort allerdings nicht. Die Unternehmen mussten sich ihre Beweglichkeit in der Personalpolitik durch Mitfinanzierung (z.B. über die hohe Mehrwertsteuer, die auch auf Investitionsgüter erhoben wird) eines weichen Sozialpolsters erkaufen. – Nachahmenswert!

Es hat schon seinen Grund, warum die Dänen seit Jahrzehnten als das glücklichste Volk der Welt gelten und sich auch selbst als solches sehen (World-Happiness-Report der Vereinten Nationen).

Der geneigte Leser mag nun etwas besser verstehen, wie Dänen “ticken” – sehr sympathisch, finde ich.

Kurt O. Wörl

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