Wissenswertes über Fünen

Vorwort

fuenenUm es gleich vorweg zu sagen: Zur Insel Fünen habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis, aus mehreren Gründen. Da ist zunächst die Tatsache, dass ich Fünen lange Zeit nur vom Durchfahren von Jütland nach Seeland und zurück kannte. Da waren zwar wohl immer wieder mal Aufenthalte in Fünens „Hauptstadt“ Odense dabei, weil die Stadt eben direkt an der Autobahn liegt, aber als Urlaubsziel hatten wir Fünen bis letztes Jahr nicht auf dem Schirm. Gleiches gilt für die Insel Langeland, welche ja nur über Fünen mit dem Kraftfahrzeug erreichbar ist.

Erstmals nicht in Ost-West-, sondern in Nord-Südrichtung durchfuhren wir Fünen 2014, allerdings wieder nur auf der Durchfahrt, auf unserer Reise von unserem Ferienhaus am Ringkøbing Fjord (Westjütland) nach Ærø. Bereits beim Durchqueren Fünens mit dem Auto fiel uns auf, dass die Landschaft weitaus üppiger mit Flora, Wald und vielen Hügeln ausgestattet ist, als das, was wir von Jütland und Seeland kannten. Das ließ uns die Insel aus unserer unerfahrenen Sicht zunächst als völlig untypisch für Dänemark erscheinen. Und der Eindruck trügte nicht, wie wir später feststellen durften.

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Fährhafen Svendborg

Um nach Ærø zu gelangen, bedarf es einer Fährüberfahrt von der heimeligen Hafenstadt Svendborg, im Süden Fünens, nach Ærøskøbning. Die völlig andere Landschaft und vor allem das schnuckelige Hafenviertel Svendborgs gefielen uns so sehr, dass der Entschluss feststand, im kommenden Jahr Fünen zu erkunden und dort auch unser Ferienhaus zu buchen.

So war es denn 2015 auch. Wir haben viel Neues gesehen, eine für Dänemark sehr untypische Landschaft erlebt, aber auch ein paar Erkenntnisse gewonnen, die etwas irritierten. Unterm Strich lautet mein Urteil heute:

Auch Fünen sollte man gesehen haben und zu sehen gibt es hier sehr viel. Aber Fünen wird in unserer Gunst sicher nie vor Bornholm, Ærø, Jütland, Seeland und Møn rangieren.

2015-09-08_150240_DSC_7764_DxOWarum? Nun zum Beispiel wegen der vielen Verbotsschilder. Nirgendwo in Dänemark standen wir bisher vor so vielen Sperr- und Verbotsschildern wie auf Fünen. Ich kam mir zeitweise wie in Deutschland vor. Bei uns ist es ja üblich, dass jeder, der 5 qm Grund besitzt entweder einen Zaun hochzieht oder eben Verbotsschilder aufstellt – oft gar beides. Für Dänemark war uns das völlig neu.

Auch ansonsten scheint dort ein recht misstrauischer Seitenarm der sonst doch so offenen und gastfreundlichen Dänen zu leben. Niemals vorher wurden wir so oft angesprochen darauf, warum wir – erkennbar Touristen – dieses oder jenes fotografiert hätten. 

2015-09-02_122420_DSC_5698_DxOÜber die Hintergründe rätseln wir noch. Vielleicht gibt ein Hinweis Aufschluss, den ich vor längerem in einem Reiseführer las. Da wurde darauf hingewiesen, dass eben sehr viele Schlösschen und Herrensitze auf Fünen in Privatbesitz stehen. Das ist in den anderen Bereichen Dänemarks ja eher nicht der Fall. Und auf Bornholm, wo uns in fast in überwältigender Weise Offenheit und Freundlichkeit entgegen strömte, gibt es auch gar keine Schlösser und Herrensitze. 

2015-09-06_164547_DSC_6858_DxOEin Weiteres störte ein bisschen. Auf Jütland hat man ja keine Probleme mit Strandbesuchen: „Go West or Go East“ – und egal wo du bist, irgendwann bist du an einem schönen Strand am Meer. Auf Fünen ist das nicht ganz so. In vielen Gegenden ist die Küste überhaupt nicht auf öffentlichen Wegen erreichbar. Strände, die es natürlich auch gibt, sind immer vergleichsweise kurze Küstenabschnitte. Lange, ausgedehnte Strandspaziergänge gehören daher eher nicht zum Fünen-Erlebnis. – Aber wenn man Google-Maps dabei hat, findet man auch hier Kontakt zur Ostsee. – Und dann ist im Südosten Fünens ja noch Langeland angeflanscht, wo man wieder leichter mit der Küste in Kontakt bekommt. 

Der von mir zu Beginn erwähnte Eindruck, dass Fünen eher eine Durchfahrtsinsel wäre, wird durch die Verkehrsinfrastruktur der Insel bestärkt. Die Magistrale ist sicher die West-Ost-Autobahn  E 20 von Jütland über den Kleinen Belt im Westen, vorbei an Odense, über die Große Belt-Brücke (Storebæltsbroen) im Osten nach Seeland.

Südöstlich von Odense zweigt der „Svendborgvejen“, eine wie eine Autobahn ausgebaute Schnellstraße (Primärstraße 9), nach Süden ab. Sie ist die zweite Magistrale Fünens und führt nach Svendborg und Langeland. Es gibt kaum Straßen entlang der Küsten, schon gar keine Straßenführung auf der man die ganze Insel entlang der Küste umfahren könnte. Auch das mag den Eindruck verstärken, dass es nicht einfach ist, an Fünens Küsten zu gelangen.

fuenen_sektorenDaraus ergab sich für uns auch die Notwendigkeit, unser Rundreiseverhalten (üblicherweise im oder gegen den Uhrzeigersinn entlang der Küste), welches sich z.B. auf Jütland durch die küstennahe Straßenführung auch anbietet, für Fünen aufzugeben. Die beiden o.g. Hauptverkehrslinien teilen zusammen mit dem Odense-Fjord Fünen schon einmal in vier natürliche Zielsektoren ein. Den dann aber etwas zu groß geratenen Südfwestsektor habe ich nochmals unterteilt entlang der Primärstraße 43 (von Fåborg nach Odense). Für uns zeigte es sich am effektivsten, unsere Ziele immer in einer Route innerhalb eines Sektors logisch zu organisieren. Zu den einzelnen Sektoren empfiehlt es sich dringend die Autobahn bzw. die Schnellstraße nach Süden zu benutzen. Über Land einen anderen Sektor anzufahren könnte sehr langwierig werden.

Fünen – ein Überblick

Nachdem ich zu Beginn erstmal über das, was uns auf Fünen nicht so gefallen hat, gemault habe, verspreche ich, ab sofort vor allem mich auf das Wahre, Schöne und Gute der Insel zu konzentrieren.

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Fachwerkhäuser in Fåborg

Mit knapp 3000 km2 Fläche und rund 460.000 Einwohner ist Fünen die zweitgrößte Insel Dänemarks nach Seeland. Sie ist – wie in Dänemark nicht anders zu erwarten – weitgehend eben flach, aber im Süden durch erstaunliche Hügel durchzogen, wie man sie sonst in Dänemark eher selten findet. Dies wird besonders in den von Moränenhügeln geformten „Fünischen Alpen“, bei Fåborg, im Südwesten der Insel, sehr auffällig.

Auffällig sind auch die vielen kleineren und größeren, vorgelagerten Inseln im Süden, welche bereits zur Dänischen Südsee zählen, darunter eine unserer Lieblingsinseln, Ærø. Im Norden fällt der tief ins Land einschneidende Odense-Fjord und die diesem vorgelagerte Halbinsel Hindsholm auf.

Fünen ist überaus reich an Flora und man nennt es nicht umsonst den „Garten Dänemarks“. Wohl nirgendwo in Dänemark findet man mehr große, zusammenhängende Mischwaldgebiete als hier. „Hyggeligte“ Städtchen und Ortschaften mit gut erhaltenen, mittelalterlichen Ortskernen gibt es zuhauf. Städte sind neben Fünens „Hauptstadt“ OdenseBogense und gleich neben an Middelfart im Norden, Kerteminde im Nordosten, Nyborg an der Ostküste, Fåborg und Svendborg im Süden und Assens an der Westküste. 

Was aber den Besuch Fünens wirklich lohnt sind die vielen Schlösser und Herrensitze. Weit über 100 sollen es sein, von denen wir natürlich nur einen Teil besuchen konnten. Das absolute Highlight der Insel ist jedoch das Wasserschloss Egeskov Slot, auf Eichenstämmen erbaut, mit riesiger Parkanlage und verschiedenen Museen.

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Egeskov Slot

Doch darüber mehr in den Beschreibungen unserer Rundreisetouren.

Kurt O. Wörl

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